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BDW: Zwei neue Vorstandsmitglieder und spärliche Finanzen

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RoMü
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An der Delegiertenversammlung des Branchenverbandes Deutschschweizer Wein(BDW) in Wädenswil nur neu Beat Kamm (ZH) und Urs Jauslin (BL) in den Vorstand gewählt. Zudem standen auch die Finanzen im Fokus.

„Freuen wir uns an den guten Tropfen, die in den Fässern reifen und sagen wir es allen weiter“, war die zentrale Botschaft an die Delegierten des Branchenverbandes Deutschschweizer Wein (BDW) von deren Präsidenten Kaspar Wetli (Berneck SG). Der Jahrhundertjahrgang 2018 beschenkte der Deutschschweiz nicht nur qualitativ sondern auch mengenmässig eine Rekordernte. „Wir konnten 177‘808 Hektoliter oder 42% mehr als im Vorjahr ernten. Diese ist nur 1982 und 1989 übertroffen worden“, rief Wetli den Delegierten in Erinnerung.

Es waren aber vor allem administrative Verbandsaufgaben sowie die Interessenvertretung, welche den BDW forderte. So hat der umfassende in der AP22+ geforderte Systemwechsel bezüglich der Deklaration von AOC auf AOP- und IGP den Verband auf Trab gehalten, um eine klare und einheitliche Strategie der Deutschschweiz bezüglich der Stellungsnahmen zur Vernehmlassung zu erarbeiten. „In neutralgischen Punkten war kein Entgegenkommen des Bundes möglich. Wir wollen keinen Ballenberg“, hielt Wetli mit aller Deutlichkeit fest. Für ihn ist aber dieser Systemwechsel noch nicht gegessen. Wetli kündigte an, dass man dem neuen zuständigen Bundesrat die vorhandenen Vorbehalte aufzeigen will. „Man kippt alles, was in der AP 2014 -17 eingeführt wurde aus der Agrarpolitik. Die Bundesstufe weiss nicht, was an der Basis läuft.

Wir haben von der Branchenseite deshalb noch viel zu erledigen“, machte Wetli mit aller Deutlichkeit klar. Er sprach auch mit Bezug der vom Bundesrat erlassenen Neuerungen in der Weiverordnung von einem unverständlichen Paradigmenwechsel innerhalb der bewährten Gesetzgebung, welche neu die Süssung von Schweizer Weinen mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung verbietet. Da nun die Kantone ihre eigenen Verordnungen anpassen müssen, wünschte ein Delegierter, dass sich der BDW bemüht, dass alle Kantone dieselbe Regelung aufnehmen sollten, um keine Willkür zuzulassen.

Zugleich informierte Wetli über die neuen Hauptziele der Strategie von Swiss Wine Promotion (SWP), welche für die nationale Werbung die Schweizer Weine zuständig ist. Neu werden der Stolz und die Freunde für das Handwerk der Winzer in den Fokus gestellt. Zugleich wird die Weiterbildung gefördert und die Winzer aufgerufen, mehr an Wettbewerben teilzunehmen. „Medaillen und Auszeichnungen sind ein wichtiges Auswahlkriterium für junge Winzer“, stellte Wetli fest. Ein weiteres Projekt ist im Bereich der Gastronomie die eingegangene Partnerschaft mit Gault & Millau. Zudem sind auf dem Portal „Swiss Wine Gourmet“ bereits über 1‘000 Restaurants gelistet, welche Weine aus mindestens zwei Weinbauregionen anbieten. Im Weiteren ist die SWP vorerst für drei Jahre eine Partnerschaft mit Schweiz Tourismus eingegangen.

Zugleich hat die SWP am Concours du Meilleur Sommelier de Suisse 2018 einen Spezialpreis gesponsort. Eine sehr enge Zusammenarbeit erfolgt auch mit den Grossverteilern Coop und Denner, um möglichst viele Schweizer Konsumenten zu erreichen und diese für Schweizer Weine zu sensibilisieren. Zugleich kündigte Wetli an, dass die Vitiswiss sich dazu entschlossen hat, in enger Zusammenarbeit mit Institutionen und Fachleuten eine Beobachtungsstelle für Pflanzenschutzrückstände in Schweizer Weinen aufzubauen. „Ziel ist es dabei um in der anstehenden Debatte bezüglich der anstehenden Volksinitiativen glaubwürdige und aussagekräftige Informationen zu erhalten“, hielt Welti abschliessend fest.

Sorgsamer Umgang mit den Finanzen

Die letztjährige vom BDW-Geschäftsführer Robin Haug präsentierte Jahresrechnung schliesst bei einem Ertrag knapp 649‘000 Franken mit einem Fehlbetrag 27‘500 Franken ab. Einerseits fliessen auf der Ertragsseite aus den Verbandskantonen je 100 Franken pro Hektare als Flächenbeitrag sowie ein zweiteiliger Beitrag bezüglich Fläche (45 Franken ha) und Weinmenge (55 Rappen je hl) in die Verbandskasse. Anderseits sind es Kostenbeiträge der Teilnehmer am Tag der offenen Weinkeller (88‘200 Fr.) und für erfolgte Absatzförderungsmassnahmen von SWP (74‘000 Fr.) erhaltene Rückerstattungen, welche für Erträge sorgten. Dabei ist der BDW auf der Aufwandseite nur der Durchlauferhitzer für rund 42% aller Einnahmen, welche an die übergeordneten Verbände sowie in die nationale Weinwerbung (199‘000 Fr.) zugeflossen waren.

Für die eigentliche eigene Weinwerbung wurden rund 204‘000 Franken aufgewendet, wobei die beiden Grossanlässe mit den offenen Weinkellern sowie „Mémorie and Frieds“ mit 177‘000 Franken den grössten Betrag beanspruchten. Für das laufende Jahr ist wiederum ein Minus vom 61‘000 Franken trotz intensiver Sparanstrengungen budgetiert. Dies ist vor allem aufgrund der massgebenden Grossernte 2018 auf die um 73‘000 Franken höheren Beiträge an den Schweizer Branchenverband und SWP zurückzuführen. Um mittelfristig eine ausgeglichene Verbandsrechnung zu erhalten, ist Sparen angesagt. „Wir mussten entsprechend unsere Kostenbeteiligung für „Mémoire and Friends“ streichen“, betonte Haug. 

Im siebenköpfigen Vorstand kommt es zudem zu einem Wechsel. Der bisherige Zürcher Vertreter Rolf Schenk (Rudolfingen ZH) wird neu durch Beat Kamm (Teufen ZH) ersetzt, welche auch seine Nachfolge im Zürcher Branchenverband angetreten hat. Für die Nordwestschweizer (BS,BS und SO) zieht neu Urs Jauslin (Muttenz BL) in den Vorstand ein, wo er Remo Buser ersetzt.